Die Ausbildung zur Therapeutin und der Prozess des Fütterns:

Ich habe schnell herausgefunden, dass es eine einjährige, von Tsültrim Allione initiierte Ausbildung für Therapeuten bei Dr. Barbara Staemmler, (Ärztin und Gestalttherapeutin in Würzburg) gibt, die ich besuchen durfte und im Mai 2012 abgeschlossen habe.

Dort habe ich das Begleitet-werden beim "Dämonenfüttern" schätzen gelernt. Man kann den Prozess gut alleine mit sich machen, aber es bedarf einer gehörigen Portion Konzentrationsfähigkeit und manchmal Unerschrockenheit. Wie gerne weicht man einem schwierigen Thema aus! Wenn mich dabei jemand mit Fragen und Interesse begleitet, werden die von Natur aus flüchtigen und manchmal verrückt erscheinenden inneren Bilder klarer, der Prozess konzentrierter und zielgerichteter und es hilft mir jemand an schwierigen Stellen weiter.

Der Prozess des Dämonenfütterns besteht aus 5 Schritten. Tsültrim Allione hat sie in ihrem Buch "den Dämonen Nahrung geben, buddhistische Techniken zur Konfliktlösung" ausführlich beschrieben. Ihr Anliegen ist dabei, eine wirksame Methode aus dem buddhistischen Kontext zu lösen und für jeden anwendbar zu machen.

1. Spüre das Problem in deinem Körper.
2. Personifiziere das Problem als Wesen auf einem gegenüberliegenden Sitz und stelle ihm die drei Fragen: Was willst du von mir? Was brauchst du eigentlich? Und: Wie würde es dir gehen, wenn du bekommst, was du eigentlich brauchst?
3. Beantworte die Fragen aus der Position des Wesens heraus. Dabei findest du heraus, welche Qualität die Nahrung haben müsste.
4. Füttere das Wesen (den "Dämon") mit der speziellen Nahrung und treffe, wenn du möchtest, Deinen Verbündeten.
5. Auflösung aller Bilder und sich selbst in Leerheit, Entspannung. Widmung.

Tsültrim Allione nutzt dabei Techniken, die auch in westlichen Therapieverfahren gebräuchlich und wirksam sind, wie das Imaginieren von Bildern und den Platzwechsel, bei dem man sich auf den anderen Stuhl setzt auf dem man zuvor jemand oder etwas anderes imaginiert hat. Auf die Art und Weise schlüpft man während des Prozesses in die verschiedensten Rollen: in die eigene, in der es mir grad schlecht geht, in die Haut des als Wesen mit Augen und Mund visualisierten Problems (und dem kann es auch überraschend gut gehen, es hat ja Macht und Energie …), man wird zur speziellen Nahrung (z.B. Liebe), schlüpft in die Haut des speziellen Helfers, (z.B. einem königlichen oder verspielten Wesen). Diese Vielfalt der Gefühlsqualitäten im Wechsel zu erleben wäre alleine diese innere Reise wert. Zentral ist jedoch der Gedanke, den Dämon zu nähren. Damit bringen wir die Energien an einer Stelle in Fluss, wo sie normalerweise stocken, es gar völlig unmöglich erscheint, so was zu tun. An dieser Stelle Bewegung in die eigenen Denkmuster zu bringen schreibt das Lebensdrehbuch um und sorgt für Überraschungen. Dem Dämonenwesen zuzuschauen, wie es die Nahrung aufnimmt bis es vollkommen gesättigt ist, ist spannend, verblüffend, sehenswert.

Das alles passiert in der Vorstellung. Wenn am Anfang oder bei einem besonders großen Problem nicht alle fünf Schritte des Prozesses durchlaufen werden können, so hat man doch die Gelegenheit gehabt, sich in seiner Bildersprache von verschiedenen Seiten kennen zu lernen. Erinnerungsanker helfen, das imaginativ Erlebte im Alltag zu erinnern oder bei einer späteren Gelegenheit wieder in den Prozess einzusteigen.

An der Stelle bekommt die Kunsttherapie wieder ihre gestalterische Rolle und ergänzt das Dämonenfüttern ideal. Selbstgefertigte Erinnerungsanker festigen das Erlebte auf besonders intensive Art und Weise. Inzwischen habe ich auch schon von Klienten gefertigte comicartige Darstellungen des ganzen Prozesses gesehen. Oft genug habe ich gedacht: schade, dass keine Filmkamera mitläuft! Künstler in einer Schaffenskrise würden eine Menge an Anregungen aus so einem Prozess mitnehmen.

Das, was am Prozess buddhistisch geblieben ist, ist die Widmung, die wir uns zu Beginn und zum Abschluss einer Dämonenarbeit bewusst machen: wir (sowohl derjenige, der den Dämon füttern möchte als auch die Begleitung) tun diese Arbeit zum eigenen Wohl und zum Wohl aller Menschen, die mit uns in Verbindung stehen, ja: aller fühlenden Wesen.

"Jedes Kind ist ein Künstler, es kommt darauf an, dass es ein Künstler bleibt, während es erwachsen wird." Pablo Picasso.